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Reisebericht Okavango-Delta

Nach einem stressigen Praktikum in Kapstadt sollte die Belohnung eine ganz besondere sein: Eine Reise ins Okavango Delta in Botswana.

Rip-off am Airport
Natürlich ist Kapstadt ziemlich weit entfernt von Maun, dem Tor zum Delta. Die erste Etappe meiner Reise führte mich per Mietwagen bis nach Johannesburg. Dort angekommen, übernachtete ich am Flughafen. Wer schon einmal dort war, weiss es: Man kann nicht durch das Terminal gehen, ohne von Repräsentanten verschiedener Backpacker-Lodges angesprochen zu werden. Ich las mir die Prospekte durch und entschied mich für das "Africa Center", welches Folgendes versprach: - free pick-up from airport (freie Abholung vom Flughafen) - dorm accommodation 35 Rand (ca. 12 Mark pro Person im Schlafsaal) - 5 minutes from airport (5 Minuten bis zum Flughafen) Die freie Abholung vom Flughafen liess etwa 1 Stunde auf sich warten und die sich anschliessende Fahrt zur Lodge dauerte etwa 15 Minuten. Dort angekommen begutachtete ich den Schlafsaal. Ein paar Matratzen lagen auf dem Boden, belagert von Jugendlichen, die Dagga (Haschisch) rauchten. Da es aber schon spät abends war, nahm ich all das hin und freute mich, so günstig zu übernachten. Zum Abendessen wurde selbstgemachte Pizza angeboten.

Am nächsten Morgen wollte ich zurück zum Flughafen und man bot mir den Transfer an. Bei der Zusammenstellung der Rechnung kam dann das böse Erwachen: Übernachtung: 35 Rand (12 Mark) Abendessen: 25 Rand (8 Mark) für selbstgemachte Pizza! Internet: 25 Rand (8 Mark) für ein paar Minuten Transport: 40 Rand (14 Mark) !! Es war nur die Abholung vom Flughafen frei, das Zurückbringen war teurer als die Übernachtung! So hatte mich der ganze Spaß 125 Rand gekostet. Dafür hätte ich auch ein Einzelzimmer in einem günstigen Hotel bekommen können. Ich schrieb die Ausgaben als "Lehrgeld" ab und machte mich auf den Weg.

Überland nach Botswana
Die beste Möglichkeit, von Johannesburg nach Gaborone zu gelangen ist wohl der Bus. Um 15.30 Uhr fährt man am Busbahnhof in der Innenstadt los, und schon 6 Stunden später ist man in Gaborone, Botswana. Die Preise sind toll: Die halbstündige Busfahrt vom Flughafen zum Busbahnhof kostet 50 Rand, während die 6-stündige Fahrt im Luxusbus mit Video und Service gerade mal 100 Rand kostet. Die Gegend um den Busbahnhof in Johannesburg sollte man nicht unbedingt zu Fuß erkunden. Vor ca. 4 Jahren hatte ich das einmal unternommen, damals ging es gut. Heute würde ich es nicht mehr wagen, auch tagsüber durch Hillbrow zu gehen. Johannesburg wurde zum Kriegsgebiet. Die Weissen haben sich in die abgesicherten Vororte zurückgezogen und haben die Innenstadt den Schwarzen überlassen. Die Apartheid findet in Südafrika noch immer statt.

Von Suizidpiloten: Air Botswana
Air Botswana hatte einige Wochen vorher ein Flugzeug verloren, nachdem ein Pilot Selbstmord begangen hatte. Er hatte das vollbesetzte Flugzeug zum Absturz gebracht. Auch ein schöner Tod.

Ich hatte es geschafft, ein vergünstigtes Flugticket von Gaborone nach Maun und zurück zu erhalten. Man muss wissen, daß ein Flug mit Air Botswana eine Angelegenheit ist, die sich Normalsterbliche einfach nicht leisten können. Discounts kannte man bisher nicht. Nun waren aber die Flieger leer und man fing an, promotional fares auszugeben. Das Prinzip kennen wir alle: Man fliegt zu einem günstigen Preis, will man aber etwas umbuchen, wird man ausgelacht. Doch dazu später mehr. Ich hatte eigentlich geplant, mit dem Überland-Bus von Gaborone nach Maun zu fahren. Allerdings hätte mich das pro Strecke mindestens drei Tage gekostet. Deshalb flog ich. Mit einer ATR 42 der Air Littoral (man fragt sich, was französische Flugzeuge in der Wüste verloren haben) flog ich dann eine starke Stunde nach Norden. Dort angekommen bemerkte ich auffällig viele Kleinstflugzeuge am Flugplatz. Dann fiel es mir wieder ein: Man fliegt ins Delta. Mit einer Cessna flog ich ca. 25 Minuten über das Okavango-Delta, bis wir unser Ziel erreicht hatten: Gunn's Bush Camp. Die Landebahn war ein Streifen fester Erde umgeben von Graslandschaft. Der Pilot setzte zur Landung an, die Maschine setzte auf, es gingen Alarmgeräusche an und er hob wieder ab, um wenige Meter später wieder aufzusetzen. Er bemerkte die Verwunderung seiner Passagiere und fragte uns, ob wir das Warzenschwein auf dem Landestreifen nicht gesehen hätten.

Im Delta
Wo ein Fluss mitten in der Wüste ein Delta bildet, entstand eine wunderschöne, paradiesische Landschaft. Unendliche Flussläufe, seichte Gewässer unterbrochen von Inseln. Von dem Wasser, das das Delta erreicht, verdunsten 97%, der Rest fliesst weiter, um in regenreichen Jahren die Makgadikgadi-Pans zu fluten.

Die Ufer sind mit Schilfgewächsen übersät, so dass man den Fluss selbst aus nächster Nähe nicht sehen kann. Die Fortbewegung im Delta findet mit Einbäumen, den Mokoros statt. Der Bootsführer steht am Ende seines Einbaumes und stößt sich mit einem Stab am Flussboden ab. Die Passagiere sitzen vor ihm. Die Zustände in diesem Stück Erde sind perfekt für Fauna und Flora, der Mensch hat aber zu leiden. Die Eingeborenen haben sich vermutlich an Insekten gewöhnt und haben gelernt, mit der Malaria zu leben. Für den Besucher kann der Besuch im Delta, je nach Jahreszeit, zum wahren Höllentrip werden. Moskitoschwärme, die einen umkreisen und niemals in Ruhe lassen, nicht mal auf den Inseln. Tse-Tse-Fliegen, die die gefürchtete Schlafkrankheit übermitteln und natürlich die immer gefürchtete Malaria. Gegen die von der Anopheles Fliege übertragene Malaria kann man sich durch die Einnahme von Prophylaxe schützen. Gegen die Schlafkrankheit leider nicht. Glücklicherweise hat man in den letzten Jahren keine Fälle von Schlafkrankheit beobachtet, so dass der Stich der Tse-Tse - Fliege zwar noch immer sehr schmerzt, aber keine bleibenden Schäden hinterlässt.

Im Camp angekommen erhielten wir (ich hatte zwischenzeitlich zwei Holländer kennengelernt) unsere Zelte und liessen uns den weiteren Ablauf erklären. Am nächsten Morgen sollte es also mit dem Mokoro losgehen, wir würden auf Chief's Island, der grössten und bekanntesten Insel im Delta übernachten und am zweiten Tag wieder ins Camp zurückkehren.

Die Fahrt mit dem Mokoro nach Chief's Island dauerte ca. 3 Stunden. Wir fuhren an Flusspferden vorbei und schreckten ein Krokodil auf, das daraufhin gefährlich nahe an unserem Boot ins Wasser ging. Auf der Insel angekommen bauten wir unsere Zelte auf, kochten auf dem offenen Feuer unser Mittagessen und gingen am frühen Nachmittag los auf unseren ersten ‚game walk'. Wer schon im Krüger-Park war, weiss wie das game-watching normalerweise vor sich geht: Man sitzt im Auto und sieht in weiter Ferne ein paar Tiere. Im Okavango-Delta geht man zu Fuß und kann sich bis auf wenige Meter an Zebras, Giraffen, Elefanten, Hyänen und Wildhunde nähern. Höhepunkt unserer Wanderung war ein toter Elefant, der seit ca. 3 Tagen am Boden lag. Die Bauchhöhle war schon aufgerissen, alles Fleisch von Hyänen und Geiern schon herausgefressen. Haut und Knochen waren noch intakt. Als wir uns näherten, liefen die Hyänen weg und die Geier kamen aus der Bauchhöhle des Elefanten heraus. Am nächsten Morgen standen wir früh auf und gingen nochmals ‚wandern'. Die Landschaft ist derartig ‚gleichmässig', daß man als nicht-Ortskundiger nach wenigen Minuten die Orientierung verliert. Selbst als wir nur 10 Meter von den Zelten entfernt waren, hätte ich sie alleine nicht finden können.

Die Rückfahrt im Boot verlief ruhig, wir kamen am frühen Nachmittag wieder im Camp an. Nach einer erfrischenden Dusche ging es zum Landestreifen, von wo wir mit einer Cessna wieder nach Maun flogen. Nach dem Start flog der Pilot ca. 2 Kilometer weit auf einer Höhe von ca. 5 Metern, wobei er gekonnt zwischen den Bäumen hindurchsteuerte. Ein angsterregendes Erlebnis.

Die Rückreise
Mein Weiterflug von Maun nach Gaborone sollte erst einen Tag später stattfinden aber ich wollte versuchen, diesen Flug einen Tag vorzuverlegen. Die Verhandlungen über eine Umbuchung meines Tickets dauerten ca. 30 Minuten und beinhalteten sogar einen Anruf beim Air Botswana Büro in Johannesburg, wo ich meine Flüge gebucht hatte. Ich behauptete, man habe mir erklärt, daß mein Tarif umbuchbar sei. Wir riefen in Johannesburg an, um mit der Dame zu reden, die mir das Ticket verkauft hatte. Ich hatte Glück, die Dame war nicht da. So stand mein Wort gegen ihres, man betrachtete mich wohl als Lügner und Betrüger, aber schon 30 Minuten später saß ich im Flieger nach Gaborone, von wo es nach Johannesburg weitergehen sollte. Abends kam ich dann in Johannesburg an. Ich besaß noch ein standby-ticket für den Weiterflug nach Kapstadt, musste aber feststellen, daß ich erst am nächsten Morgen würde fliegen können. Nachdem mir aber mittlerweile das Geld ausgegangen war, wollte ich nicht unbedingt in einem Hotel übernachten. Die einfachste Lösung war die Beste. Ich suchte mir ein stilles Eck (ja, das gibt es sogar im Flughafen Johannesburg), breitete meinen Schlafsack aus und übernachtete auf dem Fussboden.

Am nächsten Morgen flog ich dann weiter nach Kapstadt, wo ich von Bekannten abgeholt wurde. Ich nutzte die Zeit in Kapstadt, um mich von Freunden und Bekannten zu verabschieden, denn am nächsten Abend ging mein Flug zurück nach Deutschland. Genau drei Tage nachdem ich mit dem Boot von Chief's Island losgefahren war kam ich zu Hause in Deutschland an. Es war eine anstrengende Reise gewesen, aber es hatte sich auf jeden Fall gelohnt.