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Kapstadt News


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Kaphalbinsel

Wenn man eine größere Reise vorhat, plant man schon Monate, vielleicht sogar Jahre im Voraus. Man erkundigt sich nach der besten Reisezeit, der günstigsten Route, Unterkünfte, etc. Man kann aber auch alles ein wenig intuitiver und unkonventioneller machen, es kommt auf das Reiseziel an. Ist das Reiseziel Südafrika, ist letzteres durchaus nicht von Nachteil. Man kann unbesorgt im südafrikanischen Winter (Juni - September) dorthin reisen, entgegen aller Reiseführer von Westen nach Osten fahren ohne auch nur eine Unterkunft vor der Reise zu bestellen. Das einzige was man benötigt um trotz allem einen sehr erlebnisreichen (im positivsten Sinne) und erholsamen Urlaub zu haben sind gute Englischkenntnisse und einen Mietwagen (am Besten schon in Deutschland buchen) und ein paar gute Reiseführer (möglichst mit Karten).

Mit diesen Vorbereitungen machten wir uns zu dritt (Anke, Paul, Andreas) auf nach Südafrika. Wir flogen von Berlin nach Amsterdam und von dort mit einem Zwischenstop in Johannesburg, wo über 80 Prozent der Fluggäste ausstiegen, in einem ziemlich leeren Jumbo nach Kapstadt. Somit konnten wir uns auf die begehrten Fensterplätze verteilen und den Landeanflug auf Kapstadt mit bester Sicht genießen. Der Flughafen Kapstadt wirkt fast provinziell. Man wird mit Bussen vom Flugzeug abgeholt und die Abfertigung hat etwas familiäres. Nachdem wir die Paßkontrolle nach 10 Minuten hinter uns hatten - wir standen mal wieder in der langsamsten Schlange - drehte unser Gepäck schon die eine oder andere Runde auf dem Gepäckband und als wir in den Mietwagen stiegen, waren seit der Landung keine 20 Minuten vergangen. So schnell waren wir noch nie aus einem Flugplatz raus. Der erste Weg führte uns zur Touristinformation in der Addeley-Street. Dort gab es in der Nebensaison (Es ist gerade Winter!) kein Problem preiswerte Unterkünfte in bzw. um Kapstadt zu finden. Wir wurden sehr freundlich und ausdauernd bedient und es wurde - wie sich später noch zeigen wird - auch auf unsere Nationalität eingegangen.

Das Hauptwahrzeichen Kapstadts ist sicherlich der Tafelberg. Dort angekommen, stellten wir fest, daß die Seilbahn gerade repariert wird. (Seit Oktober ’97 ist die Neue mit Gondeln aus der Schweiz wieder einsatzbereit.) Also hieß es zu Fuß auf den Berg. Nach halbem Weg fanden wir genug Ausreden, die es jedem späteren Zuhörer eindrucksvoll verständlich machen würden, warum wir nicht ganz auf den Berg gestiegen sind. Einerseits hatten wir einen anstrengenden Flug hinter uns, andererseits nichts im Magen. Außerdem sahen wir eine Straße, auf der wir bequem mit dem Auto zum gegenüberliegenden Signal Hill kamen. Vom Ausblickspunkt am Signal Hill bat sich ein unvergeßlicher Blick über eine Stadt, die neben San Francisco und Rio de Janeiro zu den drei schönsten der Welt gezählt wird.

Im Winter herrscht hier ein Klima, das bestimmt ist von Wolken und Regen. Wir hatten Glück und bei herrlichem Sonnenschein nahm der Tafelberg seine Wolkenmütze ab. Danach machten wir einen Abstecher zur Waterfront. In dem dort befindlichem Two-Ocean-Aquarium wird in wunderschönen und großen Aquarien sehr eindrucksvoll gezeigt, was alles im Ozean so rumschwimmt. Wir beobachteten eine von Tauchern vorgenommene Haifischfütterung. Interessant dabei war es zu sehen, wie eine recht freche aber auch wohl genauso mutige Wasserschildkröte dem Hai hin und wieder einen Happen wegschnappte. Genauso imposant ist der sehr anschaulich gestaltete "The Way of the Water" (Der Weg des Wassers) vom Gebirge, durch Flüsse und Seen ins Meer mit fast all seinen typischen Bewohnern, von Fischen, Reptilien, Seevögeln bis hin zu Pinguinen, und das alles in einem Raum! Mittlerweile stellten sich erste Erschöpfungserscheinungen ein und wir beschlossen einstimmig uns auf den Weg zu unserem Quartier zu machen.

"House Hamburg" war der Name der Unterkunft; das versprach interessante Überraschungen. Wir fuhren durch Nobel-Vororte von Kapstadt, nach Muizenburg. Muizenburg liegt an der False-Bay, an der sich viele malerische Orte befinden, die ineinander übergehen. Das merkten wir aber erst als wir schon in St.James waren... Also wenden und zurück. Die Pension fanden wir schnell, und wir bekamen gleich einen Tip für ein sehr gutes Abendbrot ("Bull Dogs"). Dort wurde uns von der Kellnerin auch gleich ein Bier empfohlen, daß Deutsche trinken (Es ist immer wieder beeindruckend zu bemerken, wie verwöhnt wir Deutschen im Biergeschmack sind). Die Marke heißt "Windhoek" und wird von der Holsten-Brauerei in Namibia gebraut. Sie sollte uns die ganze Reise über begleiten... Die Unterkunft gehörte einem Hamburger, der sich in Muizenburg mit einer kleinen B&B Pension niedergelassen hat. Wir verbrachten den ganzen Abend beim Würfelspiel zusammen mit Katharina, einer jobbenden Studentin aus Bratislava/Slowakei, Joan und Willi, einem befreundeten Ehepaar aus dem Nachbarort, Joachim aus Hamburg und Rebecca, die Frau des Hauses, die aus Sydney stammt. Die Gesprächsthemen erstreckten sich, angefangen von den deutschen Ost-West-Problemen (Joachim kannte sich auch gut in Rostock aus), über den zunehmenden Nationalismus in der Slowakei bis hin zu der Frage, ob Kricket zu den ernstzunehmenden Sportarten gezählt werden kann...

Ein Spaziergang am Strand von Muizenburg mit seinen bunten Umkleidekabinen ist auch im Winter sehr reizvoll. Bei Tagestemperaturen zwischen 15 und 20°C halten selbst die Surfer keinen Winterschlaf und das Reisen in einem Auto ohne Klimaanlage (ca. 12 DM billiger pro Tag) ist auch auf längeren Etappen angenehm. Auf dem Weg zum Cape of Good Hope Nature Reservat machten wir ein Abstecher zum Strand von Boulders. Dort lebt eine Kolonie Brillen-Piguine, die einfach lustig anzuschauen ist. Diese putzigen Gesellen laufen dort am Strand lang und stehen teilweise auch sehr dekorativ in den Vorgärten herum.

Der Besuch von Cape Point und dem Kap der Guten Hoffnung ist einfach ein touristisches Muß jeder Südafrika-Reise, aber ein Fußmarsch zwischen diesen beiden Punkten entlang der beeindruckenden Küste vermittelt erst den wahren Naturgenuß. Wir wanderten auf ca. hundert Meter hohen Klippen entlang, und auf der Hälfte des Marsches stiegen wir diese herunter zum Strand. Wenn man konditionell gut drauf ist, sollte man das auch unbedingt tun. Als wir sahen auf was wir uns mit dem leichtfertigen "Herabgespringe" eingelassen hatten, entschieden wir uns für eine etwas längere Pause. Aber eine Rast am Strand des Atlantiks mobilisierte neue Kräfte, die wir für den Wiederaufstieg auch brauchten. Entschädigt für diese Strapazen wurden wir mit einer einmaligen Aussicht und mit Begegnungen mit vielen kleinen possierlichen Tieren, den Klippschliefern. Diese sind so groß wie Hasen, leben in Familienverbänden, wohnen an den Steilhängen und sind nicht besonders scheu. Für ein Foto kommen sie schon mal bis auf einen Meter heran, sei es nun Eitelkeit oder Neugier.

Während der gesamten Wanderung sollte man aber auf die dort lebenden Paviane achten. Diese recht groß werdenden Tiere können ohne weiteres Rucksäcke und Taschen öffnen auf der Suche nach Eßbaren, wie wir beim obligatorischen Foto vor dem "Cape of Good Hope"- Schild am eigenen Leibe erfuhren. Paul wollte gerade seinen selbstauslösenden Fotoapparat postieren und sich auf einen Sprint zurück vorbereiten, als eine nette Touristin sich anbot uns zu fotografieren.

Als wir nun so in Positur saßen und auf das Vögelchen warteten, schrie Sie auf einmal: "A big baboon!" Wir wußten zu dem Zeitpunkt noch nicht was baboon auf deutsch heißt, aber seitdem wird sich jeder von uns dieses Wort für immer eingeprägt haben. Ein riesiger Pavian saß neben uns und rannte dann auf Pauls Rucksack zu, der noch bei der fotografierenden Frau stand. "I´ve photographed the baboon" rief selbige. Na ja, nicht das was wir wollten, aber ein Pavian ist ja auch ein schönes Motiv, besonders wenn er mit großer Geschicklichkeit sämtliche Reißverschlüsse und Taschen eines Rucksacks aufriß auf der Suche nach Eßbaren. Aber allzu lustig fanden wir es dann doch nicht, da diese Tiere nicht ungefährlich sind und wir nicht wußten, wie wir ihn wieder loswerden. Glücklicherweise wurden in der Nähe gerade Straßen-bauarbeiten durchgeführt und einige Arbeiter kamen mit Stöcken drohend angerannt, was den Affen in die Flucht trieb. Es wird zwar überall darauf hingewiesen, daß die Paviane nicht zu füttern sind, aber wenn japanische Reisegruppen noch Opfer für ihr Zelluloid oder Videoband suchen, muß schon mal eine Tüte Kartoffelchips als Lockmittel herhalten. Man hat ja auch nach dem Urlaub mehr zu erzählen, wenn ein Affe auf der Motorhaube saß...

Auf dem Weg zurück nach Kapstadt wählten wir die Atlantikroute. Dabei ging es über den Chapmans-Drive. Neben unvergeßlichen Aussichten kletterte auch unser Adrenalinspiegel bei der Fahrt über dieses Meisterstück südafrikanischer Straßenbaukunst. Wieder angekommen in Kapstadt, fuhren wir abermals entlang der Waterfront, durch die Stadt vorbei an ihrer unvergeßlichen Skyline mit dem Tafelberg im Hintergrund, der von der untergehenden Sonne angestrahlt wurde.

Sicherlich hätten wir noch viele Tage in Kapstadt verbringen können, aber Rest des Landes hat auch noch jede Menge zu bieten. Demzufolge führte unsere Tour von Kapstadt in Richtung Westen durch das Weinanbaugebiet Südafrikas. In Somerset West fanden wir Helderbos, eine Bed & Breakfast Unterkunft, die sich äußerlich erst einmal von allen anderen Anwesen im weißen Südafrika unterschied: sie hatte keine allumschließende Mauer bzw. Zaun oder das übliche Hinweisschild auf die Alarmanlage. Der Grund ist denkbar einfach: Die Besitzerin Noonie ist eine Hundezüchterin und über 30 Bullterrier und 5 Rottweiler sind Abschreckung genug.

Der Empfang war überaus herzlich und die Gastfreundschaft ernst gemeint, wie bei eigentlich allen B&B´s in Südafrika. Die Leute sind äußerst freundlich, locker und interessiert. Auch wenn man vor der Reise meint, daß man alles wichtige im Reiseführer stehen hat, kommen die besten Insider-Tips halt von den Insidern, den Südafrikanern. Somit ist eine grobe Routenplanung zwar nötig, die genauen Fahrziele haben wir dann erst in Südafrika festgelegt. Von Noonie erfuhren wir, daß ihr Großvater Mulis züchtete und mit ihnen zirkusähnliche Auftritte hatte, sogar in Amerika. Wir saßen bis spät abends zusammen bei Bier und Wein und erfuhren viele interessante Sachen vom Leben in Südafrika in Vergangenheit und Gegenwart. Noonie selbst war auch sehr an Deutschland und an unserer Sicht auf die Wende ’89 interessiert. Deutschland und Südafrika hatten ja in der Zeit politische Parallelen, es erfolgte in beiden Ländern eine geschichtliche Zäsur.

Zum Abschied sagte sie: "Wenn ihr auf Eurer weiteren Reise irgendwann in Schwierigkeiten steckt, sei es durch Pech oder Gewalt, ruft bei mir an. Ich habe meine Hunde in ganz Südafrika verkauft und kenne dementsprechend in jedem Landesteil Leute die Euch aus jeder Patsche helfen werden." Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl, wenn man mit so einem Hinweis bedacht wird. Absolut sehenswert sind Stellenbosch und die nahen Weinberge. Malerisch gelegen und herrlich angelegt ist das Weingut Vergelegen in der Nähe von Somerset West. Im Garten des Gutes stehen riesige chinesische Kampferbäume, ein herrlicher Rosen- und Kräutergarten umranden das Gutshaus in dem wir eine Weinprobe machten. Die südafrikanischen Weine zählen zu den besten der Welt und ausgerüstet mit einer 12er Box im Kofferraum wurde unser Urlaub genußvoller...

Weiter ging es nach Hermanus, einer kleinen Stadt an der Küste. Dort kann man mit etwas Glück vom Lande aus Wale beobachten. Aber auch wenn man kein Glück hat, so wie wir, ist der Abstecher empfehlenswert. Wir waren dafür Zeugen einer recht unfreiwilligen Taufe zweier Mädels, die sich, sehr mutig, weit ans Wasser heranwagten, dann aber doch nicht vor einer ca. 5 Meter hoch aufspritzenden Brandungswelle weglaufen konnten. In Hermanus hat sich die Upper-Class niedergelassen. Dies kann man an den sehr schönen Häusern und Gärten in dieser Lagunenstadt erkennen. Vom Rotary Drive aus schauten wir noch einmal von oben auf Hermanus und hielten weiterhin nach den Meeressäugern Ausschau, leider wieder ohne Glück.

Dann führte die Straße quer durch Hamilton Russells Vinyard, ein Weingut inmitten eines Tals, daß den Namen "Hemel een Aarde" (Himmel und Erde) trägt. Via Caledon erreichten wir eine der ältesten Städte Südafrikas: Swellendam. In Swellendam übernachteten wir bei Roosje van de Kaap. Die B&B-Pension betreibt der Sohn von Noonie, ein Anwalt, und seine Frau, Schauspielerin. Wir wurden wie Familienmitglieder empfangen, immerhin kannten wir anhand vieler Fotos in Noonies Haus Nicks Leben schon recht gut. Außerdem hatten wir noch Süßigkeiten von der Großmutter für die Enkelkinder im Gepäck. Nick gab uns noch einen kleinen Ausflugstip: ein Naturpark in der Nähe. Aber auf dem Weg zu einem Wasserfall, den wir schon im Laufschritt zurücklegten, holte uns dann doch die Dunkelheit ein, aber wir sollten ja noch genug Wasserfälle auf unserer Reise sehen. Die gute italienische Küche von Roosje van de Kaap ist ein Geheimtip und wir aßen bei Kerzenschein, auch zum Frühstück. Dort sahen wir auch zum ersten Mal, daß sich Gäste ihre eigenen Getränke mit ins Restaurant brachten, was durchaus üblich ist in Südafrika.

 
von Andreas Ratsch und Anke Grüttner.